Verbundprojekt GiWA

Grundbildung in Wirtschaft und Arbeit – mehrperspektivisch

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beteiligt sich mit dem Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Alphabetisierung/Grundbildung für Erwachsene“ an der UN-Dekade zur Verringerung von Analphabetismus Ziel ist es, Individuen und Gruppen mit niedriger Grundbildung für eine stärkere gesellschaftliche Beteiligung zu aktivieren. In vier Themenfeldern werden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten verfolgt:

  1. Grundlagen der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit
  2. Erhöhung von Effizienz und Qualität von Unterstützungs- und Beratungsmaßnahmen
  3. Grundbildungsarbeit in Wirtschaft und Arbeit
  4. Professionalisierung der Lehrenden

Das Verbundprojekt GiWA ist im dritten Themenfeld angesiedelt.

Hintergrund

Die Anforderungen an 'literacy and numeracy', das Verfügen über Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben, Sprechen, Rechnen und basalen PC-Kenntnissen stellen sich in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen, in denen Arbeitsplätze für Geringqualifizierte existieren, unterschiedlich dar. Auch die Struktur der Zielgruppe, d.h. Personen mit fehlender oder lückenhafter Grundbildung, ist heterogen und die Barrieren, die einen Zugang zu entsprechenden Bildungsangeboten verwehren, sind vielfältig. Fundierte Analysen zur Bedeutung von Alphabetisierung/Grundbildung in den unterschiedlichen Wirtschaftszweigen liegen kaum vor. Obwohl der Anteil der Arbeitsplätze, deren Anforderungen auch ohne entsprechende Grundbildung zu bewältigen sind, seit Jahrzehnten zurück geht, und auch zukünftig abnehmen wird und die in diesem Bereich noch vorhandenen Arbeitsplätze zunehmend mit höheren Anforderungen konfrontiert sind, war und ist Grundbildung für Geringqualifizierte bislang kaum ein betrieblich relevantes Thema. Auch konnten bisher noch keine erfolgreichen Zugangssysteme für Geringqualifizierte, MirgantInnen oder ältere ArbeitnehmerInnen etabliert werden, die eine Weiterbildungsteilnahme für diese Beschäftigtengruppen hinreichend sichern konnten.

Ziele und Forschungsfragen

Wie ein zeitgemäßes Verständnis von Grundbildung aussehen kann, welche spezifischen kulturellen Aspekte zu berücksichtigen sind, welche Grundbildungsbedarfe aus der Perspektive von Arbeitsplatzanforderungen und den Interessen der Individuen entstehen, wie eine arbeitsnahe bzw. arbeitsplatzbezogene Grundbildung organisiert und entsprechende Konzepte wirksam werden können, markiert das Anliegen des Verbundprojektes GiWA. Dabei werden folgende Forschungs- und Gestaltungsfragen bearbeitet:

  • Was sind Lerngegenstände und Lernsettings einer Grundbildung, die sich an veränder­ten Anforderungen in der Arbeitswelt und an den Lernvoraussetzungen und -interessen der Individuen orientiert?
  • Was beinhaltet vor diesem Hintergrund ein kontextspezifisches Verständnis von Grund­bildung
  • Wie können Zugänge geschaffen werden
  • - zur Zielgruppe, zu Unternehmen und Betrieben,
  • - zu Grundbildung als Personalentwicklungsstrategie,
  • - zum Lernen an sich und zu (Schrift-)Sprachlernen im Besonderen,
  • - zu Kompetenzen, Interessen und Bedarfen?
  • Welche Lern- und Beratungssettings bewähren sich jeweils kontextspezifisch, aber auch branchen bzw. zielgruppenübergreifend?
  • Welche Auswirkungen haben unterschiedliche Zugänge und Lernarrangements für die Zielgruppe?
  • Wie lässt sich Grundbildung nachhaltig in betrieblichen bzw. arbeitsbezogenen Lernkulturen verankern?
Um diese Fragen zu klären, hat der Verbund ein mehrperspektivisches Zugangsystem gewählt. Neben sozialwissenschaftlichen Bestandsaufnahmen zu Arbeitsplatz -Mindestanforderungen wird in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen bzw. arbeits- und wirtschaftsnahen Lern- und Beratungssettings mit unterschiedlichen Zielgruppen gearbeitet (funktionale Analphabeten, Arbeitslosengeld-II-Empfänger, Geringqualifizierte in der Altenhilfe, MirgantInnen, Schwerstbehinderte).

Mehrperspektivität

GiWA bezieht sich dabei nicht nur auch auf die Sphäre Erwerbsarbeit und Beschäftigung, sondern auch auf den Erhalt der Beschäftigung durch Grundbildung oder die Herstellung von Employability, indem Nicht-Beschäftigten durch Grundbildungsangebote Brücken in Beschäftigungsverhältnisse oder Weiterbildung geschaffen werden sollen.

Zeitraum: Oktober 2007-September 2010